Politik Macht Korruption

Zur Premiere von Modest Mussorgskis Boris Godunow in der Volksoper Wien...

Wieviel Macht kann ein Mensch ertragen und wieviel Gewissen kann ein Mächtiger sich leisten?

Die 1869 entstandene Oper Boris Godunow ist zweifelsohne eines der bedeutendsten Werke des russischen Opernrepertoires und hat an ihrer Aktualität kaum etwas eingebüßt. Modest Mussorgski zeigt in seinem „Musikalischen Volksdrama“ eine Welt, in der Korruption und Intrigen das öffentliche Leben bestimmen: Das Volk – durch Wohlstand und Wahlgeschenke verführbar. Die Politik – ein Kasperltheater. Mussorgski entfaltet auf Basis von Alexander Puschkins gleichnamiger Tragödie von 1831 ein großes Panorama der russischen Gesellschaft und Geschichte an der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert: der Zeit nach dem Tod Iwans des Schrecklichen. Die Handlung der Oper ist Historienerzählung und Fiktion gleichermaßen: Der mächtige Adelige Boris Godunow steigt zum Zaren auf, doch an ihm haftet der Verdacht, der Mörder des rechtmäßigen Thronfolgers zu sein. Ob Boris den Mord am Zarewitsch Dimitrij begangen hat oder nicht, wird in der Oper offengelassen. Doch der Verdacht allein bringt ihn als Politiker wie als Mensch um seine Existenz …


„Ein Mensch mit einem Gewissen ist als Politiker ungeeignet.“

Zum zweiten Mal wird an der Volksoper Wien nun die rohe, radikale und auf die Titelfigur zugespitzte Urfassung von Modest Mussorgskis Boris Godunow erklingen, die erst 1929 in Moskau wiederentdeckt wurde. Nach Harry Kupfers Inszenierung im Jahr 1998 war für Jänner 2021 eine – bereits mehrfach verschobene – Neuinszenierung eines weiteren wahren Großmeisters der Musiktheater-Regie geplant. Peter Konwitschny, der die Figur des Boris radikal heutig deutet, brachte es in seiner Auseinandersetzung mit dem Stoff wie folgt auf den Punkt: „Ein Mensch mit einem Gewissen ist als Politiker ungeeignet.“ Mit seiner 2016 erstmals am Staatstheater Nürnberg präsentierten Inszenierung hätte der bereits mehrfach ausgezeichnete Regisseur sein Volksoperndebüt gefeiert. Aufgrund der fortwährenden unwägbaren Pandemie-Situation wird die Volksoper die Produktion nun in konzertanter Form präsentieren, da die szenischen Proben die große Zahl der beteiligten Künstler*innen und Mitarbeiter*innen einem unverantwortbaren Infektionsrisiko aussetzen würden. Direktor Robert Meyer dazu: „Wir haben uns die Entscheidung, die Oper nur konzertant aufzuführen, nicht leicht gemacht. Wir können das Risiko einer szenischen Opernproduktion dieser Dimension mit zahlreichen Massenszenen derzeit nicht eingehen.“

Boris Godunow wird am ursprünglich geplanten Premierendatum (15. Jänner 2022) in einer von Jac van Steen eigens für die Volksoper eingerichteten konzertanten Fassung präsentiert. Das Volksopern-Publikum kennt den Dirigenten bereits, der zuletzt an unserem Haus mit der konzertanten Aufführung von Korngolds Das Wunder der Heliane Publikum und Kritik begeisterte. Der Interpret der Titelfigur, Albert Pesendorfer, bleibt dem Projekt glücklicherweise erhalten. In weiteren Rollen sind u. a. Ghazal Kazemi als Fjodor, Annely Peebo als Amme, Carsten Süss als Fürst Wassili Schuiski, Morten Frank Larsen als Schtschelkalow, Yasushi Hirano als Pimen und Vincent Schirrmacher als Grigori Otrepjew zu sehen.

Boris Godunow - Premiere am 15. Jänner 2022
Konzertante Aufführung

Volksoper Wien
Währinger Straße 78, 1090 Wien
Information: +43/1/514 44-3670
https://www.volksoper.at/

Text: Volksoper Wien
Foto:"Boris Godunow": Albert Pesendorfer (Boris Godunow)
© Johannes Ifkovits/ Volksoper Wien

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